{"id":72,"date":"2025-03-15T15:12:06","date_gmt":"2025-03-15T15:12:06","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.ruedt.ch\/?p=72"},"modified":"2025-03-15T15:13:55","modified_gmt":"2025-03-15T15:13:55","slug":"google-fotos-wie-mein-lebensarchiv-in-der-cloud-zur-geisel-wurde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.ruedt.ch\/?p=72","title":{"rendered":"Google Fotos: Wie mein Lebensarchiv in der Cloud zur Geisel wurde"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>115.3 Gigabyte.<\/strong> So viel Speicherplatz belegen meine Fotos und Videos auf Google Fotos. Es sind s\u00e4mtliche Bilder und Videos, die ich je aufgenommen habe \u2013 sei es mit der Kamera oder durch das Einscannen alter Aufnahmen. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Bilder sind zwar nicht grossartig geordnet, aber das ist auch gar nicht n\u00f6tig. Dank Datum, Geolokalisation sowie Gesichts- und Objekterkennung finde ich \u00fcber die Suchfunktion in Sekundenschnelle genau das, wonach ich suche. Und genau dieser Komfort war \u00fcber Jahre hinweg der Hauptgrund, warum ich den Dienst genutzt habe.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading is-style-text-subtitle\">Von Picasa zu Google Fotos<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der Suche nach einem Programm, mit dem sich Fotos einfach organisieren und bearbeiten lassen, stiess ich irgendwann auf Picasa. Die Software wurde 2004 von Google \u00fcbernommen und kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellt. Mit Picasa konnte man seine Bilder organisieren, durchsuchen, bearbeiten und im zugeh\u00f6rigen Online-Dienst Picasa Web speichern. Schon ab 2009 verf\u00fcgte der Dienst \u00fcber eine Gesichtserkennung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 2015 wurde Picasa jedoch eingestellt. Stattdessen f\u00fchrte Google mit \u00abFotos\u00bb einen Nachfolgedienst ein, der alle Fotos in der Cloud speicherte. Nutzende wurden aktiv aufgefordert, ihre Fotos zu Google zu migrieren, wo ihnen unbegrenzter, kostenloser Speicherplatz geboten wurde. Der Dienst wurde stetig verbessert: Dank k\u00fcnstlicher Intelligenz konnte er bald auch Objekte auf Fotos erkennen und sogar Schriftz\u00fcge lesen. Mit der App auf dem Smartphone wurden alle Bilder automatisch synchronisiert und indexiert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading is-style-text-subtitle\">Die beste und beliebteste Fotoverwaltung<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Google schuf damit ein System, das so praktisch ist, dass es unverzichtbar wurde. <strong>Die Kombination aus Geolokalisation und Inhaltserkennung erm\u00f6glicht es tats\u00e4chlich, jedes beliebige Bild in Sekundenschnelle zu finden.<\/strong> Bereits 2017 \u00fcberschritt Google Fotos die Marke von 500 Millionen aktiven Nutzenden, 2019 waren es bereits \u00fcber eine Milliarde.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading is-style-text-subtitle\">Vom Gratis-Dienst zum Abo-Modell<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim Start von Google Fotos konnten alle Bilder (bis zu einer Aufl\u00f6sung von 16 Megapixeln) kostenlos gespeichert werden. Wurden Bilder in h\u00f6herer Qualit\u00e4t gespeichert, wurden sie auf den Speicherplatz der Google-Dienste (Google Drive, Gmail) angerechnet \u2013 ein Kontingent von 15 Gigabyte, das allen Nutzenden kostenlos zur Verf\u00fcgung stand.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>2021 \u00e4nderte Google jedoch die Bedingungen:<\/strong> Von nun an wurden s\u00e4mtliche Fotos, unabh\u00e4ngig von der Aufl\u00f6sung, auf den 15 Gigabyte Speicherplatz angerechnet. Mit der stetig steigenden Qualit\u00e4t von Smartphone-Fotos und -Videos erf\u00fcllte praktisch jedes neue Bild diese Kriterien, und der Speicherplatz begann sich schnell zu f\u00fcllen. Wer mehr als die 15 Gigabyte ben\u00f6tigte, musste bezahlen: 200 Gigabyte Speicherplatz kosten 3 Franken pro Monat, 2 Terabyte schlagen mit 10 Franken zu Buche.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading is-style-text-subtitle\">Umst\u00e4ndlicher Export der Bilder<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer nicht bereit ist, f\u00fcr den Dienst zu zahlen, verliert nicht nur den Komfort, \u00fcber wenige Stichworte beliebige Bilder zu finden. Die Bilder m\u00fcssen zudem vom Google-Dienst auf einen anderen Speicherort \u00fcbertragen werden \u2013 sei es eine Festplatte oder ein anderer Cloud-Dienst. Doch Google bietet hierf\u00fcr keine einfache L\u00f6sung. W\u00e4hrend Dateien aus Google Drive mit wenigen Klicks kopiert werden k\u00f6nnen, ist dies bei Google Fotos nicht m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Daten k\u00f6nnen lediglich \u00fcber den Google-Account im Men\u00fc \u00ab<a href=\"https:\/\/myaccount.google.com\/data-and-privacy\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/myaccount.google.com\/data-and-privacy\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Daten und Datenschutz<\/a>\u00bb exportiert werden. Dort muss man bis zum Abschnitt \u00abDaten aus Apps und Diensten, die Sie nutzen\u00bb scrollen und auf \u00ab\u00dcbersicht Ihrer Dienste und Daten\u00bb klicken. <\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"848\" height=\"343\" src=\"https:\/\/blog.ruedt.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Screenshot-2025-03-15-160519.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-75\" srcset=\"https:\/\/blog.ruedt.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Screenshot-2025-03-15-160519.png 848w, https:\/\/blog.ruedt.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Screenshot-2025-03-15-160519-300x121.png 300w, https:\/\/blog.ruedt.ch\/wp-content\/uploads\/2025\/03\/Screenshot-2025-03-15-160519-768x311.png 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 848px) 100vw, 848px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auf der n\u00e4chsten Seite kann der Export in wenigen Schritten gestartet werden. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber hier beginnt die Schikane:<\/strong> Die 115.3 Gigabyte an Fotos und Videos werden in 220 komprimierte Dateien (ZIP-Archive) aufgeteilt. Diese Dateien m\u00fcssen innerhalb von sieben Tagen heruntergeladen werden. Das verursacht gleich zwei Probleme: <\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Der Download nimmt viel Zeit in Anspruch<\/li>\n\n\n\n<li>die Daten m\u00fcssen auf der Festplatte gen\u00fcgend Platz finden<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach dem Herunterladen m\u00fcssen die Daten aus Google Fotos gel\u00f6scht werden. Aber auch das ist m\u00fchsam, denn grosse Datenmengen k\u00f6nnen nicht auf einmal markiert und gel\u00f6scht werden. Stattdessen m\u00fcssen in unz\u00e4hligen Schritten jeweils einige Tausend Bilder manuell ausgew\u00e4hlt und gel\u00f6scht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading is-style-text-subtitle\">Fazit<\/h3>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Google Fotos steht exemplarisch f\u00fcr viele Dienste, die urspr\u00fcnglich kostenlos angeboten und sp\u00e4ter kostenpflichtig wurden.<\/strong> Besonders perfid ist jedoch, dass der Anbieter mit komplizierten und versteckten Funktionen den Wechsel \u2013 oder hier das \u00dcbertragen der Bilder und Videos \u2013 extrem erschwert. Da wohl kaum jemand auf seine \u00fcber Jahre angelegte Bildersammlung verzichten m\u00f6chte, kann Google sicher sein, dass die meisten bisherigen Nutzenden z\u00e4hneknirschend den Abo-Preis zahlen. Sie sind vom Tech-Giganten abh\u00e4ngig geworden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>115.3 Gigabyte. So viel Speicherplatz belegen meine Fotos und Videos auf Google Fotos. 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