VERD.cash: Bezahlen, ohne dass das Geld einfach verschwindet

VERD.cash Debitkarte

Ich bin im letzten Herbst zum ersten Mal auf VERD.cash aufmerksam geworden. Nicht durch eine grosse Kampagne, sondern ganz klassisch: durch ein Plakat.

Darauf wurde eine Bezahlkarte beworben, mit der man im Laden bezahlen kann – aber mit einem kleinen Unterschied.

Oder eigentlich mit einem ziemlich grossen.

VERD.cash ist eine Prepaid-Karte. Man lädt Geld darauf und bezahlt damit im Laden, ähnlich wie mit anderen Karten auch. Der eigentliche Unterschied liegt nicht beim Bezahlen selbst, sondern bei dem, was danach passiert.

Was passiert mit den Gebühren?

Wenn ich in einem Laden mit Karte bezahle, zahlt der Laden dafür eine Gebühr. Diese Gebühr fliesst normalerweise an Banken, Kartenanbieter und Zahlungsdienstleister. Für Kundinnen und Kunden ist das kaum sichtbar. Für kleine Läden ist es aber durchaus relevant.

Auch bei VERD.cash fällt eine Gebühr an. Sie beträgt 0,6 Prozent. Der wichtige Punkt: Ein Teil davon fliesst in einen Topf für die eigene Gemeinde. Dort kann das Geld später für lokale Projekte eingesetzt werden.

Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Einkauf mit normaler Karte zu Einkauf mit VERD.cash

Das fand ich spannend genug, um mir eine Karte zu bestellen. Die Karte war gratis, ich habe 100 Franken daraufgeladen – und dann kam die erste Ernüchterung: In meinem Quartier gab es damals gar keinen Laden, in dem ich damit bezahlen konnte.

Die Idee war gut. Nur die Praxis war noch nicht ganz so weit.

Jetzt funktioniert es auch in Bern

Inzwischen hat sich das geändert. Einer der Läden in Bern, der VERD.cash akzeptiert, ist Onkel Urs. Ich bin hingegangen und habe Lisa gefragt, weshalb sie mitmacht.

Ihre Antwort war ziemlich klar: Sie stört sich an den hohen Gebühren der anderen Kartenanbieter. Und sie findet es sinnvoll, wenn die Gebühren, die ohnehin anfallen, hier bleiben und für gute Projekte eingesetzt werden.

Auch die Einrichtung sei unkompliziert gewesen. Nach ihrer Einschätzung dauerte sie etwa fünf Minuten, kostete nichts und brauchte deutlich weniger Nerven als andere technische Lösungen im Laden.

Das ist ein wichtiger Punkt. Denn viele gute Ideen scheitern nicht an der Idee selbst, sondern daran, dass sie für die Leute, die sie umsetzen müssten, zu kompliziert sind.

Noch kennen es zu wenige

Auf die Frage, wie viele Leute schon mit VERD.cash bezahlen, war die Antwort ebenfalls klar: zu wenige.

Das überrascht nicht. Neue Zahlungslösungen haben es schwer. Man muss zuerst wissen, dass es sie gibt. Dann muss man eine Karte haben. Und dann muss man auch noch daran denken, sie beim Bezahlen zu verwenden.

Lisa verglich es mit einer guten Flasche Wein: Es braucht vielleicht einfach etwas Zeit.

Mir gefällt dieser Vergleich. VERD.cash ist keine App, die von heute auf morgen alles verändert. Es ist eher eine kleine Gewohnheitsänderung. Statt die übliche Karte ans Terminal zu halten, nimmt man eine andere. Der Einkauf bleibt gleich. Aber die Wirkung kann eine andere sein.

Wo kann man mit VERD.cash bezahlen?

Neben Onkel Urs kann man VERD.cash in Bern und Umgebung zum Beispiel auch bei der Gelateria di Berna, im Märit Laden Wabern oder in der Äss-Bar nutzen. Die Liste wächst laufend.

Wer wissen will, wo VERD.cash bereits akzeptiert wird, findet die aktuelle Übersicht auf der Seite mit den VERD.cash-Standorten.

Und wer selbst ausprobieren möchte, wie das funktioniert, kann die VERD.cash-Karte online bestellen.

Eine kleine Karte mit einer grossen Frage

Ich zahle nun, wenn es möglich ist, mit VERD.cash. Nicht aus Prinzip gegen andere Karten. Sondern weil mich die Frage interessiert, wohin das Geld fliesst, das bei jeder Zahlung ohnehin anfällt.

Bargeldloses Bezahlen ist bequem. Aber bequem heisst nicht automatisch fair. Wenn ein Teil der Gebühren in der Gemeinde bleibt und daraus lokale Projekte entstehen können, ist das zumindest ein Versuch, den Zahlungsverkehr etwas anders zu denken.

Je mehr Leute mitmachen, desto grösser wird die Chance, dass daraus tatsächlich etwas entsteht: ein Quartierprojekt, eine Verbesserung im öffentlichen Raum, eine kleine Unterstützung für etwas, das sonst vielleicht nicht finanziert würde.

Oder einfacher gesagt: Bezahlen müssen wir sowieso. Dann kann man auch einmal ausprobieren, ob dabei nicht etwas mehr zurückbleibt als nur eine Quittung.

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