on meinem Wohnort bis zum nächsten Briefkasten der Schweizerischen Post sind es 220 Meter:

Das ist die Strecke, die ich zurücklegen muss, wenn ich einen Brief versenden will. Doch welche Strecke legt der Brief vom Briefkasten zu mir nach Hause zurück?
Um das herauszufinden, habe ich einen Briefumschlag an mich selbst andressiert. Er beförderte einen Tracker, mit dem ich versuchte, möglichst viele Stationen aufzuzeichnen, an denen mein Brief vorbeikommt.
So reist der Brief zurück zu mir
Der Brief habe ich um 9.00 Uhr eingeworfen (der Briefkasten wird laut Angaben der Post täglich um 10.00 Uhr geleert). Der Tracker sendet bis nach Mittag immer wieder seinen Standort aus dem Briefkasten. Erst gegen 12.30 Uhr setzt er sich in Bewegung und meldet sich von verschiedenen Standorten im Quartier, bevor er Wabern in Richtung Bern verlässt. Danach sendet der Tracker Signale von folgenden Stationen:
- 14.05 Uhr, Freiburgstrasse, 3008 Bern: An der Freiburgstrasse 251 befindet sich ein Logistikzentrum der Post.
- 15.45 Uhr, Milchstrasse, 3072 Ostermundigen: An der Milchstrasse 8 befindet sich ebenfalls eine Sortieranlage der Post.
- 17.11 Uhr, 4624 Härkingen: Hier befindet sich ein grosses Logistikzentrum der Post. Hier sendet der Tracker bis 21.42 Uhr immer wieder Signale.
- 06.10 Uhr, Freiburgstrasse 3008 Bern: Der Brief ist zurück im Logistikzentrum in Bern.
- 08.58 Uhr, 3084 Wabern: Der Brief ist zurück in Wabern, wo er bis 10.47 Uhr Signale aus der Umgebung der lokalen Post sendet.
- 11.30 Uhr, Briefkasten des Empfängers: Der Brief ist an meinem Wohnort angekommen.

In den rund 26 Stunden, die zwischen Einwurf in den Briefkaten der Post und der Lieferung an meiner Wohnadresse vergangen sind, hat der Brief eine Strecke von rund 138 Kilometer zurückgelegt. Die vom Tracker gesendeten Daten lassen darauf schliessen, dass sie auf der Strasse transportiert wurden.
Weite reise für lokale Post
Briefe, die innerhalb einer Ortschaft versendet werden, legen also eine weite Strecke zurück. Es scheint effizienter zu sein, die Post über die Kantonsgrenze zu bringen und dann wieder zurückzuschicken an den Ort, von dem er abgesendet wurde, als vor Ort lokale Post auszusortieren.
2020 wurden in der Schweiz rund 1,7 Milliarden Briefe aufgegeben. Interessant wäre zu wissen, wie viele davon lokal, kantonal, national und international versendet wurden. Daraus liesse sich ableiten, wie viele Kilometer nur deshalb zurückgelegt wurden, damit die Post in einem effizienten Zentrum sortiert werden können.
Dazu gibt es aber keine Erhebungen. «Diese Daten werden von der Post nicht erhoben», sagt, Nathalie Dérobert, Mediensprecherin der Schweizerischen Post, auf Anfrage. «Dazu müsste man die Absenderadresse erheben, das wird aber von der Post nicht gemacht.»
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