115.3 Gigabyte. So viel Speicherplatz belegen meine Fotos und Videos auf Google Fotos. Es sind sämtliche Bilder und Videos, die ich je aufgenommen habe – sei es mit der Kamera oder durch das Einscannen alter Aufnahmen.
Die Bilder sind zwar nicht grossartig geordnet, aber das ist auch gar nicht nötig. Dank Datum, Geolokalisation sowie Gesichts- und Objekterkennung finde ich über die Suchfunktion in Sekundenschnelle genau das, wonach ich suche. Und genau dieser Komfort war über Jahre hinweg der Hauptgrund, warum ich den Dienst genutzt habe.
Von Picasa zu Google Fotos
Auf der Suche nach einem Programm, mit dem sich Fotos einfach organisieren und bearbeiten lassen, stiess ich irgendwann auf Picasa. Die Software wurde 2004 von Google übernommen und kostenlos zur Verfügung gestellt. Mit Picasa konnte man seine Bilder organisieren, durchsuchen, bearbeiten und im zugehörigen Online-Dienst Picasa Web speichern. Schon ab 2009 verfügte der Dienst über eine Gesichtserkennung.
Im Jahr 2015 wurde Picasa jedoch eingestellt. Stattdessen führte Google mit «Fotos» einen Nachfolgedienst ein, der alle Fotos in der Cloud speicherte. Nutzende wurden aktiv aufgefordert, ihre Fotos zu Google zu migrieren, wo ihnen unbegrenzter, kostenloser Speicherplatz geboten wurde. Der Dienst wurde stetig verbessert: Dank künstlicher Intelligenz konnte er bald auch Objekte auf Fotos erkennen und sogar Schriftzüge lesen. Mit der App auf dem Smartphone wurden alle Bilder automatisch synchronisiert und indexiert.
Die beste und beliebteste Fotoverwaltung
Google schuf damit ein System, das so praktisch ist, dass es unverzichtbar wurde. Die Kombination aus Geolokalisation und Inhaltserkennung ermöglicht es tatsächlich, jedes beliebige Bild in Sekundenschnelle zu finden. Bereits 2017 überschritt Google Fotos die Marke von 500 Millionen aktiven Nutzenden, 2019 waren es bereits über eine Milliarde.
Vom Gratis-Dienst zum Abo-Modell
Beim Start von Google Fotos konnten alle Bilder (bis zu einer Auflösung von 16 Megapixeln) kostenlos gespeichert werden. Wurden Bilder in höherer Qualität gespeichert, wurden sie auf den Speicherplatz der Google-Dienste (Google Drive, Gmail) angerechnet – ein Kontingent von 15 Gigabyte, das allen Nutzenden kostenlos zur Verfügung stand.
2021 änderte Google jedoch die Bedingungen: Von nun an wurden sämtliche Fotos, unabhängig von der Auflösung, auf den 15 Gigabyte Speicherplatz angerechnet. Mit der stetig steigenden Qualität von Smartphone-Fotos und -Videos erfüllte praktisch jedes neue Bild diese Kriterien, und der Speicherplatz begann sich schnell zu füllen. Wer mehr als die 15 Gigabyte benötigte, musste bezahlen: 200 Gigabyte Speicherplatz kosten 3 Franken pro Monat, 2 Terabyte schlagen mit 10 Franken zu Buche.
Umständlicher Export der Bilder
Wer nicht bereit ist, für den Dienst zu zahlen, verliert nicht nur den Komfort, über wenige Stichworte beliebige Bilder zu finden. Die Bilder müssen zudem vom Google-Dienst auf einen anderen Speicherort übertragen werden – sei es eine Festplatte oder ein anderer Cloud-Dienst. Doch Google bietet hierfür keine einfache Lösung. Während Dateien aus Google Drive mit wenigen Klicks kopiert werden können, ist dies bei Google Fotos nicht möglich.
Die Daten können lediglich über den Google-Account im Menü «Daten und Datenschutz» exportiert werden. Dort muss man bis zum Abschnitt «Daten aus Apps und Diensten, die Sie nutzen» scrollen und auf «Übersicht Ihrer Dienste und Daten» klicken.

Auf der nächsten Seite kann der Export in wenigen Schritten gestartet werden.
Aber hier beginnt die Schikane: Die 115.3 Gigabyte an Fotos und Videos werden in 220 komprimierte Dateien (ZIP-Archive) aufgeteilt. Diese Dateien müssen innerhalb von sieben Tagen heruntergeladen werden. Das verursacht gleich zwei Probleme:
- Der Download nimmt viel Zeit in Anspruch
- die Daten müssen auf der Festplatte genügend Platz finden
Nach dem Herunterladen müssen die Daten aus Google Fotos gelöscht werden. Aber auch das ist mühsam, denn grosse Datenmengen können nicht auf einmal markiert und gelöscht werden. Stattdessen müssen in unzähligen Schritten jeweils einige Tausend Bilder manuell ausgewählt und gelöscht werden.
Fazit
Google Fotos steht exemplarisch für viele Dienste, die ursprünglich kostenlos angeboten und später kostenpflichtig wurden. Besonders perfid ist jedoch, dass der Anbieter mit komplizierten und versteckten Funktionen den Wechsel – oder hier das Übertragen der Bilder und Videos – extrem erschwert. Da wohl kaum jemand auf seine über Jahre angelegte Bildersammlung verzichten möchte, kann Google sicher sein, dass die meisten bisherigen Nutzenden zähneknirschend den Abo-Preis zahlen. Sie sind vom Tech-Giganten abhängig geworden.

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